Ein vorsichtiger Anfang einer Chaoszähmerin

18. Januar 2011

Chaoszähmen ist eine Kunst, die man von Grund auf erlernen sollte. Fehlt dazu jede fachkundige Anleitung und ist die in Lettern festgehaltene Version verschollen, so muss man sich -nach kurzer Schreckenssekunde- einfach durchschlagen. Das Zähmen von Chaos stellt sich irgendwann (meist nach längerer Zeit) von ganz alleine ein. Kann Zeit eigentlich länger sein?

Sind die Chaoszähmerinnen aufgrund von Chaoszähmerinnenmangel eher seltene Erscheinungen, kann es besonders anstrengend werden. Wer weiß ob es sich lohnt für verhältnismäßig viele Chaoszähmäquivalente pro Stunde zu Arbeiten, dafür aber keine Zeit für andere Dinge zu haben?


Aufgetaucht

23. Juni 2010

Bin durch kalten Regen und schlaflose Finsternis gegangen, habe mich durch dorniges Gestrüpp geschlagen, mich durch den Matsch gewühlt und mit allerlei Schmerzen (zuletzt mit Halsschmerzen) gekämpft. Jetzt bin ich wieder aufgetaucht und stehe mit vollen Händen da. Ich liebäugle mit dem Haken an der Wand um den Ballast in meinen Händen loszuwerden. Und insgeheim fühlen sich meine Hände auch schon wieder leerer an.


Verschwunden…

2. März 2010

…hoffentlich nicht für immer. Ich bin zuversichtlich.


Versenkt

4. Dezember 2009

Bin in der Versenkung verschwunden. Bin sozusagen in ein Loch zwischen all den Dingen, die ich dringend erledigen sollte und denen, die ich lieber mache (stattdessen) gefallen und weiß nicht mehr wo oben und unten ist. Nun sitze ich da und ganz zufällig habe ich hier einen internetfähigen Laptop entdeckt, deshalb das Lebenszeichen… Eigentlich sollte ich schon wieder woanders sein.


Oder auch nicht.

26. Oktober 2009

Ich bin verwirrt, aber das ist nicht das schlechteste.


Dysästhesie

23. Oktober 2009

Die Frage nach Blindheit, unglaublichen Befähigungen zu grenzenloser Beschönigung und Fehlinterpretation ist dicht gefolgt von der Erkenntnis wohl eine Dysästhesie zu haben, vielleicht aber nicht im konventionellen Sinn. Aber dafür schon seit Jahren.


Perzeptionalist

10. Oktober 2009

Mit einem Neologismus in den Tag starten, untermalt von schönen Erinnerungen und herzzerreißender Musik. Das Drehbuch umschreiben, so viel gesagtes ungesagt machen und so viel ungetanes geschehen machen. Die richtigen Worte finden. Fast richtige Worte sind noch viel schlimmer als falsche, können noch viel mehr zerstören und denn Sinn so verbiegen, dass er unerkennbar bleibt. Wie schwierig es ist den Dingen und Gefühlen Sprache zu verleihen, die völlig verletzlich irgendwo darauf warten Ausdruck zu erlangen und sich dabei beständig wandeln! Im Irgendwo sollen sie noch wachsen und vielleicht werden sie eines Tages greifbarer, lassen sich besser anfassen und formulieren.

Bewunderung ist schön, gegenseitige besonders, aber warum bewundert werden für etwas, was man nicht kann. Beschämend. Einige klärende Worte werden wohl ihren Weg finden müssen und ein kleinwenig desillusionieren. Werde dabei bangen und hoffen, dass sie den Zauber nicht nehmen. Besser jetzt als später.


Überholmanöver

5. Oktober 2009

Gerade ist es passiert – ich bin von der Zeit überholt worden. Ab jetzt schaue ich ihr wohl hinterher. Mit allem was Hinterherschauen beinhaltet, Sehnsucht einerseits, verurteilende Gedanken andererseits. Ein merkwürdiger Anblick, deprimierend vor allem. Finde ich einmal mehr Energie ihr davonzulaufen oder ergebe ich mich langfristig dem lethargischen Gleichgang im Schatten derer, die schon längst überholt wurden. Ich könnte ja auch wegschauen, vielleicht entkäme ich dann der Zeit; könnte davontanzen, lächelnd einfach in die andere Richtung taumeln und glücklich sein.


Stromlos

15. September 2009

Stromlos schreibt es sich schlecht wissenschaftliche Dinge, zumal der passende Soundtrack fehlt, beziehungsweise nur noch scheppernd aus den suboptimalen Laptop-Boxen tönt. Außerdem, weiß man wie lange der Zustand noch geht? Nein, deshalb sollte man den Akku schonen und den PC ausschalten. Schön! Ganz befreit kann ich mich also daran machen mein kreatives Chaos ganz ohne schlechtes Gewissen zu beseitigen. Sorgen bereitet mir das Gefrierfach, aber eigentlich ist es auch DIE Chance es mal ordentlich zu putzen, was sicherlich seit Anschaffung des Geräts nicht geschehen ist; dementsprechend dick ist die Eisschicht darin.

Eben rief mich eine Freundin an, überall in der Innenstadt wären die Ampeln aus, sie lachte dabei und verwies auf den Feierabendverkehr. Muss ein lustiger Anblick sein.

So, jetzt nichts wie Ressourcen schonen, Kerzen suchen und sich darüber freuen, dass man sich vorher instinktiv richtig entschieden hat, als man dem Supermarkt den Rücken kehrte, zur Bäckerei lief und Brot kaufte – anstatt der Zutaten zum Kartoffelgratin.


Zwischengeschoss

24. August 2009

Zwischenzustand im Dasein zwischen Sein und Seinwollen, quasi im Zwischengeschoss gelandet, wartend. Zwischenzeitlich kann man zu der Ansicht kommen, vieles wäre vertane Zeit, zwischendurch könnte man aber auch mal durchatmen, es sich im kniehohen Gras zwischen all den Kletten und dem verblühten Löwenzahn alleine bequem machen und feststellen: Dies ist kein Zwischending, nichts temporäres, also sollte man es auch genießen. Im Kopf geht vieles leichter, gibt es soviel weniger zu verlieren. Nachher sitzt man da, zupft Kletten von Rocksaum und Ärmeln, genießt die Sonne auf den Armen und und findet Tage später noch Kletten an der Bettwäsche. Was die dort verloren haben? Nichts, genausowenig wie Kaktusfeigenstacheln in meinen Fingerkuppen, letztlich sind sie aber da. Ach ja, die Emailadresse, soviel ist sicher, wäre zurückgewonnen, der Kontakt mit der elektronischen Welt ist also wiederhergestellt. Das Gefühl etwas verpasst zu haben ist längst zu Belanglosigkeit verkommen. So verrinnen die Sekunden und irgendwo ist noch ein Fünkchen von dem, das sich am Zwischenzustand festklammert. Also warte ich weiter, bewege mich dazwischen und fahre ein wenig im Paternoster von Zwischengeschoss zu Zwischengeschoss. Wer mich sucht, kann mich da finden.


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