Ich bin verwirrt, aber das ist nicht das schlechteste.
Dysästhesie
23. Oktober 2009Die Frage nach Blindheit, unglaublichen Befähigungen zu grenzenloser Beschönigung und Fehlinterpretation ist dicht gefolgt von der Erkenntnis wohl eine Dysästhesie zu haben, vielleicht aber nicht im konventionellen Sinn. Aber dafür schon seit Jahren.
Perzeptionalist
10. Oktober 2009Mit einem Neologismus in den Tag starten, untermalt von schönen Erinnerungen und herzzerreißender Musik. Das Drehbuch umschreiben, so viel gesagtes ungesagt machen und so viel ungetanes geschehen machen. Die richtigen Worte finden. Fast richtige Worte sind noch viel schlimmer als falsche, können noch viel mehr zerstören und denn Sinn so verbiegen, dass er unerkennbar bleibt. Wie schwierig es ist den Dingen und Gefühlen Sprache zu verleihen, die völlig verletzlich irgendwo darauf warten Ausdruck zu erlangen und sich dabei beständig wandeln! Im Irgendwo sollen sie noch wachsen und vielleicht werden sie eines Tages greifbarer, lassen sich besser anfassen und formulieren.
Bewunderung ist schön, gegenseitige besonders, aber warum bewundert werden für etwas, was man nicht kann. Beschämend. Einige klärende Worte werden wohl ihren Weg finden müssen und ein kleinwenig desillusionieren. Werde dabei bangen und hoffen, dass sie den Zauber nicht nehmen. Besser jetzt als später.
Überholmanöver
5. Oktober 2009Gerade ist es passiert – ich bin von der Zeit überholt worden. Ab jetzt schaue ich ihr wohl hinterher. Mit allem was Hinterherschauen beinhaltet, Sehnsucht einerseits, verurteilende Gedanken andererseits. Ein merkwürdiger Anblick, deprimierend vor allem. Finde ich einmal mehr Energie ihr davonzulaufen oder ergebe ich mich langfristig dem lethargischen Gleichgang im Schatten derer, die schon längst überholt wurden. Ich könnte ja auch wegschauen, vielleicht entkäme ich dann der Zeit; könnte davontanzen, lächelnd einfach in die andere Richtung taumeln und glücklich sein.
Stromlos
15. September 2009Stromlos schreibt es sich schlecht wissenschaftliche Dinge, zumal der passende Soundtrack fehlt, beziehungsweise nur noch scheppernd aus den suboptimalen Laptop-Boxen tönt. Außerdem, weiß man wie lange der Zustand noch geht? Nein, deshalb sollte man den Akku schonen und den PC ausschalten. Schön! Ganz befreit kann ich mich also daran machen mein kreatives Chaos ganz ohne schlechtes Gewissen zu beseitigen. Sorgen bereitet mir das Gefrierfach, aber eigentlich ist es auch DIE Chance es mal ordentlich zu putzen, was sicherlich seit Anschaffung des Geräts nicht geschehen ist; dementsprechend dick ist die Eisschicht darin.
Eben rief mich eine Freundin an, überall in der Innenstadt wären die Ampeln aus, sie lachte dabei und verwies auf den Feierabendverkehr. Muss ein lustiger Anblick sein.
So, jetzt nichts wie Ressourcen schonen, Kerzen suchen und sich darüber freuen, dass man sich vorher instinktiv richtig entschieden hat, als man dem Supermarkt den Rücken kehrte, zur Bäckerei lief und Brot kaufte – anstatt der Zutaten zum Kartoffelgratin.
Zwischengeschoss
24. August 2009Zwischenzustand im Dasein zwischen Sein und Seinwollen, quasi im Zwischengeschoss gelandet, wartend. Zwischenzeitlich kann man zu der Ansicht kommen, vieles wäre vertane Zeit, zwischendurch könnte man aber auch mal durchatmen, es sich im kniehohen Gras zwischen all den Kletten und dem verblühten Löwenzahn alleine bequem machen und feststellen: Dies ist kein Zwischending, nichts temporäres, also sollte man es auch genießen. Im Kopf geht vieles leichter, gibt es soviel weniger zu verlieren. Nachher sitzt man da, zupft Kletten von Rocksaum und Ärmeln, genießt die Sonne auf den Armen und und findet Tage später noch Kletten an der Bettwäsche. Was die dort verloren haben? Nichts, genausowenig wie Kaktusfeigenstacheln in meinen Fingerkuppen, letztlich sind sie aber da. Ach ja, die Emailadresse, soviel ist sicher, wäre zurückgewonnen, der Kontakt mit der elektronischen Welt ist also wiederhergestellt. Das Gefühl etwas verpasst zu haben ist längst zu Belanglosigkeit verkommen. So verrinnen die Sekunden und irgendwo ist noch ein Fünkchen von dem, das sich am Zwischenzustand festklammert. Also warte ich weiter, bewege mich dazwischen und fahre ein wenig im Paternoster von Zwischengeschoss zu Zwischengeschoss. Wer mich sucht, kann mich da finden.
Schmetterling und Rückenwind
21. August 2009Vor zwei Tagen habe ich es erfolgreich geschafft mich unfreiwillig von der Kommunikation durch elektronische Post zu trennen. Ich ging dabei folgendermaßen vor (Nachmachen nur eingeschränkt empfehlenswert):
Schritt 1: In Gedankenaktionismus verfallen.
Zuerst dachte ich es wäre eine gute Idee mein Passwort zu erfrischen, wandte alle Regeln der Kunst an und erdachte mir ein neues, viel besseres Passwort.
Schritt 2: Taten folgen lassen.
Ist das Passwort erst erdacht, muss man es schaffen es zweimal in derselben Art und Weise in ein vorgefertigtes Formular einzugeben. Das brach mir beziehungsweise meinem, in statu nascendi begriffenen Passwort das Genick. Ich gab wohl zweimal ein Passwort ein, von dem ich nicht wusste wie man es schrieb, während ich im Geiste voll und ganz der Überzeugung war, ich würde das tolle, neue Passwort tippen.
Schritt 3: Wiegen in falscher Sicherheit.
Stolz war ich sogar auf das schöne Passwort und wollte es natürlich ausprobieren.
Schritt 4: Unsanft landen.
Bei der Erprobung des neuen Passworts fiel mir auf, das irgendetwas nicht in Ordnung war. Panikerfüllt hackte ich auf die Tastatur ein und testete verschiedene, mir plausibel erscheinende Möglichkeiten des Vertippens, inklusive der vielleicht aktivierten Kapitälchen-Feststelltaste… Blindlings habe ich das so oft getan, dass mein E-Mail-Konto vermutlich für den Zugriff gesperrt wurde.
Schritt 5: durch einen vermeintlich schlauen Rettungsversuch das vorerst letzte Glied in die Kette unglücklicher Umstände einhängen:
Vermeintlich guter Lösungsansatz 1: So tun, als hätte man das Passwort vergessen und den Anweisungen des E-Mail Providers Folge leisten. Ich entschied mich für die Version mir einen Freischaltcode auf eine alternative E-Mail-Adresse schicken zu lassen. Fazit: Schlecht, denn meine „kaputte“ E-Mail-Adresse, holt die E-Mails der alternativen E-Mail-Adresse ab. Das mag manchmal auch Vorteile haben, welche das sind, habe ich momentan vergessen.
Schritt 6: Sackgasse bemerken.
Wenn das mit der alternativen E-Mail-Adresse nicht klappt, dann eben als SMS aufs Handy. Leider wird der Freischaltcode nur einmal generiert.
7. Schritt: Sich über das eigene Unvermögen ärgern:
Wie um alles in der Welt? Jetzt habe ich ein Problem.
8. Schritt: Gedanken an die eigene Unfähigkeit verdrängen und Lösungsansatz 2 erdenken.
Die Lösung ist in Angriff genommen, der Ausgang ungewiss. Ich harre leicht frustriert der Dinge.
Die Frustration wird ab jetzt über Bord geworfen, ich werde das temporäre Entkommen vor der E-Mail-Flut genießen und zwar entspannt und mit Rückenwind.

Mühsal, Nahschlaferfahrungen und Wassertropfen
17. August 2009Ich liebe schlafen. Man kann so vieles verdrängen, aufschieben, vergessen, beschönigen und sich dabei prächtig erholen – eine angenehme Art Zeit zu verbringen. So habe ich auch heute viel in Schlafnähe, quasi in ständiger Nahschlaferfahrung verbracht und schließlich auch 20 Minuten des heutigen Tages darauf verwendet außerhalb der üblichen Schlafzeiten dem Schlaf zu frönen. Eine Emailflut, einen mühsamen Einkauf, zwei Unwetter und einen Regenbogen später war mir klar, dass sich fast nichts durch Schlaf verdrängen, aufschieben, vergessen und beschönigen lässt; aufschieben schien mir trotzdem noch recht plausibel. Mit Wassertropfen auf der Haut und Wind im Haar scheint die Welt einfach mehr in Ordnung zu sein, besonders am Wochenende.
Wattekopf
27. Juli 2009Dank des Wattekopfs bin ich ums Arbeiten herumgekommen. Leider ist die Freizeitgestaltung mit Wattekopf etwas eingeschränkt, neigt er doch sehr zum Wehtun. Außerdem möchte man dem Rest der Welt einen Wattekopf ersparen, denn die sind gemein und ansteckend, und so meidet man also brav soziale Kontakte, die nicht übers Internet oder Telefon laufen. Das sind erstaunlich viele. Im Tausch gegen eine eventuell vermurkste Freizeitgestaltung habe ich mich den ganzen Tag hinter den Laptop geklemmt, fleißig getippt, recherchiert, zitiert und geflucht, was nicht ganz spurlos an mir vorüber ging. War das ein Dilemma? In solchen Momenten wünsche ich mir für einen Augenblick ich wäre besser im Netz integriert. Aber wirklich nur ganz kurz.
Kopf und Kragen
22. Juli 2009Ein Quentchen (seit der Rechtschreibreform leider „ein Quäntchen“) Alkohol, wohlvermischt und adrett kredenzt, in Kombination mit Euphorie – vermag verbale Beinaheentgleisungen und endlos erscheinende Argumentationsschleifen hervorzurufen, gefolgt von scheinbar provozierten Missverständnissen und Standpunktverhärtungen. Liegt es wirklich am Synergieeffekt von 4cl Aklohol und Gutgelauntheit? Egal, es ist mir passiert und das obwohl ich mir vorgenommen habe einen guten Eindruck zu hinterlassen, eloquent und intelligent zu wirken. Hört sich nach einem Exzess an, wars vielleicht zeitweise auch, aber höchstens auf den Ebenen der Argumentation und Meinungsverschiedenheit. Ist Idealismus, so wie er zumindest im alltäglichen Sprachgebrauch verstanden wird, also ethischer Idealismus, wirklich so verwerflich? Ist Toleranz verwerflich? Ich finde nicht! Verbale Frontalangriffe von toleranzbefreiten, konservativen, mit Worthülsen um sich werfenden Jungspunden sind wahrlich etwas anstrengend. Ich werde einfach langsam aber sicher ein bisschen älter. Zum Glück.
Verfasst von Freederike
Verfasst von Freederike
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